Was ich bis jetzt nie konnte – Hilfe annehmen

Einander da zu sein, ist mir ein wichtiger Wert im Leben. Anders kann ich mir eine funktionierende Gesellschaft nicht vorstellen. Und so habe ich, so arrogant oder scheiss selbstverliebt das jetzt klingen mag, wirklich viele Menschen begleitet, sie in teilweise heftigsten Krisensituationen, inklusive Todesfällen, unterstützt. Ich war und bin da für sie. Und ich feiere das nicht, sondern empfinde das als wichtig. Wo kämen wir denn da hin, wenn alle nur noch wie Ego-Shooter ihr eigenes Ding durchziehen, egal wie dreckig es anderen geht.

Und dann pfändet das Finanzamt mein Konto

Und dann kommt der Tag, an dem der Geldautomat meine Karte frisst. Natürlich Freitag Mittag, wenn das Wochenende ansteht. Ich bekomme die Panik. Ein Nachbar hilft mir über das Wochenende und am Samstag beschliesse ich, mein Business zu stoppen. Stehen zu bleiben, aufzuräumen und zu reflektieren. Was habe ich getan, damit es so weit kommen konnte? Auf Facebook veröffentliche ich dazu einen Beitrag, Oliver, enger Freund und Buddy macht dazu sogar ein Video.

Was dann los ging, macht mich bis heute sprachlos

Es hat sagenhafte Minuten (!!) gedauert, bis eine Welle der Hilfen los rollte. Nein, keine lieb gemeinten Kalendersprüche, sondern Geld-Sammelaktionen, gratis Coaching-Angebote, unbeschreiblich persönliche Nachrichten und Anrufe. Atemlos und staunend saß ich in meinem Wohnzimmer und konnte es nicht fassen. Tränen kullerten mir über die Wange und ich war tatsächlich und nicht nur im übertragenen Sinne SPRACHLOS.

Erste Erkenntnisse stellen sich ein

Die darauf folgenden Tage ebbte der Strom an Hilfen nicht ab. Im Gegenteil. Ich fand immerhin meine Sprache wieder und begann bei Nina mein Coaching. Und ein Buch machte sich in mir breit, ich wollte eigentlich alles stoppen, aber das Buch will raus, es will geschrieben werden. Nachdem Du jetzt den Blog zum Buch liest, weißt Du, worum es geht: Ich will begreifen, was geschehen war. Erkenntnisse gewinnen und an mir arbeiten, egal wie übel es weh tun wird, bevor ich mit der nächsten Aktion erneut das Finanzamt in dieser Weise auf den Plan rufe.

Und heute wurde mir klar, was ich nie konnte

Im Gespräch mit meiner Lieblings-Samira ging mir heute so richtig ein weiteres Licht auf: Ich habe vielen Menschen geholfen, aber ich konnte nie Hilfe annehmen. Geschweige denn, darum bitten. BIS JETZT! Ja, es ist kein unbekanntes Phänomen, dass helfende Menschen oft die letzten Menschen sind, die um Hilfe bitten, aber dass ich es selbst derart wenig kann, war mir nicht klar. Für mich war das so normal.

Kurzes Zwischenspiel: Zwei magische Worte

Diesen Teil kannst Du schnell überspringen, da ich Dich nicht belehren will, sondern nur mich selbst daran erinnere: Mach Deine Vergangenheit nicht zu Deiner Zukunft, Georg! Was meine ich damit: Wenn ich sage, daß ich nicht um Hilfe bitten kann, dann schliesse ich eine Veränderung aus. Die beiden magischen Worte BIS JETZT! stellen das, was ich erkannt habe, in die Vergangenheit. Denn ab heute läuft es anders. Ich bin hier um zu lernen.
So, fertig. Ab jetzt wieder für alle:

Um Hilfe zu bitten ist nur die halbe Miete

Da hängt noch eine schwergewichtige weitere Nummer dran: Kann ich um Hilfe bitten, kann ich Hilfe annehmen – ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? OHA, es haben mir unglaublich viele Menschen geholfen. Und tun es noch. Und weder kann ich sie hier alle nennen, noch ihnen sofort eine Nachricht schreiben. Das würde ich zeitlich kaum schaffen und, zugegeben, emotional auch nicht. Ich bekomme Hilfe – und habe prompt ein schlechtes Gewissen. BEMM. Ob das schlau ist?

Schlechtes Gewissen macht keinen Sinn

Und doch ist es da. Obgleich NIEMAND etwas davon hat, NIEMAND irgendwelche Forderungen an die Hilfeleistungen knüpft. Es ist da und zieht meine Energie runter. Und es ist sinnlos.
Und zugleich ist es sogar sinnvoll, denn es enttarnt, was ich tief in mir zu glauben oder zu fühlen scheine. Da will ich unbedingt dran. Eine Spur der Erkenntnis zeigt sich. Ich gehe ihr nach:

Fragen, die mich jetzt weiter führen

Im Journaling, in meinen Gesprächen und im Coaching werde ich jetzt Licht auf Fragen wie diese werfen:

  • War meine intensive Hilfe für andere auch ein Stück weit Flucht?
  • Wenn ja: Wovor bin ich geflüchtet?
  • Habe ich überhaupt Grenzen und wenn ja, wie erkenne und wie schütze ich sie?
  • Bin ich es wert, dass ich um Hilfe bitte und diese auch einfach so bekomme?

Welche Fragen fehlen Dir hier und welche Antworten hast Du ? Bitte in die Kommentare schreiben.

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